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Ein Schwein, das Ballett tanzt Buchtipp: Hanni Herzblatt

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Ballerinas sind wohl in den Köpfen der meisten grazile Wesen, die sich anmutig bewegen und mit viel Disziplin Tag für Tag ihre Choreografien üben. Was hat aber ein kleines Schweinchen in einem blauen Tutu in dieser Welt vor? 

Ein Mama-Tochter-Herzensprojekt

Dieses kleine Schweinchen, das uns vom Cover des Buches „Hanni Herzblatt tanzt Ballett“ anlächelt, ist in den Köpfen von Nicole Ehrlich und ihrer Tochter Johanna, Spitzname Hanni, entstanden. Nachdem die Krefelderin viele Jahre in einem großen Unternehmen gearbeitet hatte, kam mit dem ersten Corona-Lockdown und der Elternzeit ein Wendepunkt in ihrem Leben: „Mit meiner ältesten Tochter Hanni habe ich in dieser Zeit viel gemalt, und wir haben uns eigene Geschichten ausgedacht“, erzählt die 40-Jährige mit einem Lächeln. Während die 2019 geborene jüngste Tochter Elisa schlummerte, entstand im Hause Ehrlich die Idee zu Hanni Herzblatt. Die damals sechsjährige Johanna zeichnete mit ihrer Mama die ersten Entwürfe zu der Geschichte, die beiden nicht mehr aus dem Kopf ging: „Gezeichnet habe ich schon zu Schulzeiten immer gerne. Durch die Arbeit ist das Zeichnen dann etwas in den Hintergrund geraten. Umso schöner war es, dieser kreativen Tätigkeit jetzt wieder nachgehen zu können“, sagt Nicole lächelnd. 

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Nicole Ehrlich mit ihrem ersten Kinderbuch „Hanni Herzblatt“.

Dass das Schweinchen Hanni heißen soll, war beiden schnell klar, schließlich wäre das Buch nie entstanden, wenn Johanna nicht da gewesen wäre. Und auch der Kosename der ältesten Tochter wurde mit eingebunden: „Als eine Freundin meiner Tochter mal gefragt hat, wie ich sie immer nenne, hat sie sofort mit ‚Herzblatt‘ geantwortet“, erinnert sich Nicole. Seitdem wurde der Kosename noch stärker zum Zweitnamen für Johanna. Auch die Suche nach einer passenden Figur war für beide eine intuitive Aufgabe: „Wir wollten ein Tier nehmen, das nicht im ersten Moment mit Ballett in Verbindung gebracht wird.“ Schließlich soll die tierische Protagonistin auch noch etwas erleben, bis sie zur Primaballerina wird. Also wurde Hanni Herzblatt eine kleine Schweinedame.

Hanni Herzblatt als Startschuss in ein neues Leben

Nachdem die erste Seite der Geschichte fertig war, spürte Nicole Ehrlich, dass sie dieses Projekt auf jeden Fall veröffentlichen möchte. „Ob als Buch, das jeder kaufen kann oder einzig für uns, war erst mal nebensächlich“, so die 40-Jährige. Mit Pastellkreide und Kohlestiften zeichnete die sympathische Krefelderin Seite für Seite die Geschichte des kleinen Schweinchens. Immer mehr nahm Hanni Herzblatt Form an, und irgendwann spürte Nicole, dass ihr diese Aufgabe so viel mehr gab als ihre bisherige Arbeit. Die Entscheidung, nach der Elternzeit nicht mehr in den alten Beruf zurückzukehren, war gefallen: „Ich möchte einfach weiterhin etwas mit und für Kinder kreativ gestalten“, erklärt sie. Hanni Herzblatt war für Nicole Ehrlich der Startschuss in ein neues Leben.

Bis das Buch allerdings im Regal stehen konnte, stand noch einiges an Arbeit bevor: „Ich habe nach jemandem gesucht, der mit mir an den Texten zu den Bildern arbeitet. Mit Anna Schlossmacher habe ich die perfekte Lektorin gefunden“, erzählt Nicole. Noch gut erinnert sie sich an den Augenblick, als sie Hanni Herzblatt zum ersten Mal aus den Händen gegeben und an die Lektorin geschickt hat. Aufregung und Herzklopfen. Das Feedback der Lektorin war sehr positiv und bestärkte die frischgebackene Autorin darin, weiter an ihrer Geschichte zu arbeiten. 

Nachdem sie erfolglos einige Verlage angeschrieben hatte, entschied sich die zweifache Mutter, das Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen. Mit „tredition“ hatte sie einen Dienstleister gefunden, der sie unterstützte und auch viele wertvolle Hinweise gab: „Ich musste mich zum Beispiel noch auf die Suche nach einem Grafiker für den finalen Buchsatz machen. Mit dem Kinderbuch-Illustrator Peter Holle habe ich jemanden gefunden, dem das Buch genauso am Herzen liegt wie mir“, berichtet Nicole. Holle verzichtete auf die Hälfte seines Honorars, um es für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Auch Nicole Ehrlich hatte von Anfang an die Idee, einen Teil des Buch-Erlöses für den guten Zweck einzusetzen. Ein Euro pro Buchverkauf geht an den Kinderschutzbund Krefeld: „Ich möchte mit dem Buch gar nicht viel verdienen. Viel wichtiger ist es mir, Kinder zu ermutigen, etwas auszuprobieren und den Kinderschutzbund zu unterstützen.“

Als Nicole Ehrlich im März dieses Jahres das Buch das erste Mal in den Händen hielt, war sie tief gerührt: „Es war wie ein drittes Baby“, erinnert sich die Krefelderin. Aber nicht nur für sie war der Moment bewegend, sondern auch für ihre Tochter Hanni, die ganz besonders stolz auf ihre Mama ist: „Ich muss Johanna dann immer daran erinnern, dass sie auch einen großen Teil zu diesem Buch beigetragen hat“, erzählt Nicole schmunzelnd.
Kein Wunder, geht es in dem Buch doch darum, eigene Erfahrungen zu machen – und Selbstzweifel zu besiegen.

Die Geschichte von Hanni Herzblatt

Für das Schweinchen Hanni, das auf der einen Seite eine Prinzessin mit einer kleinen Krone, auf der anderen Seite aber auch ein Wildfang mit Latzhose ist, scheint das Balletttanzen eine große Herausforderung. Still und heimlich hat Hanni die Katzen beobachtet, wie sie sich grazil bewegen und anmutig durch den Wald trippeln. Aber wie soll das bei ihr aussehen, fragt sie sich. Mit Unterstützung ihres Freundes, dem Rotkehlchen, wagt sich Hanni dann aber trotzdem ans Tanzen und hat riesige Freude daran. Täglich übt sie im Wald, denn ohne Fleiß kein Preis. Auch die anderen Tiere bekommen mit, wie das kleine Schweinchen fleißig trainiert und immer besser wird. Sie schenken Hanni ein blaues Tutu, mit dem sie am Ende eine eigene Vorstellung vor den Tieren tanzt und lernt, dass sie völlig okay ist, wie sie ist und ihre Sache super macht.

„Du bist nämlich super!“

Hanni Herzblatt

Genau diese unerwarteten Erfolgserlebnisse waren es, die Nicole Ehrlich beim Zeichnen im Kopf hatte: „Ich möchte Kinder ermutigen, Dinge auszuprobieren und an sich zu glauben“, erklärt sie ihre Devise: „Einfach mal machen lassen.“ Denn am Ende kommt meist etwas ganz Wundervolles heraus. Genauso wie bei ihrem Buch, das jetzt nicht nur im heimischen Wohnzimmer steht, sondern auch viele kleine Leserinnen und Leser begeistert. 

Für die Zukunft ist auch schon für Nachschub gesorgt, denn dass Nicole weiter illustrieren möchte, steht außer Frage. Egal ob im Auftrag anderer Autorinnen und Autoren oder für ein weiteres eigenes Buch. Schließlich gibt es da noch die zweite Tochter Elisa, und auch sie wird irgendwann ihre eigene Geschichte erzählen wollen. Dann sitzt Nicole Ehrlich mit ihrer Pastellkreide und den Kohlestiften bereit und trägt auch die Ideen ihrer jüngsten Tochter in die Welt hinaus…


Mehr zu „Hanni Herzblatt“ gibt es unter www.hanni-herzblatt.de.