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Mut, Musselin und „leise“ Farben Caroline Strüwer und ihr Label „Caroline ehrlich“

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Wenn eine 30-jährige Frau ihren Nachnamen ändert, kann das bedeuten, dass sie geheiratet hat. Bei Caroline Strüwer ist das anders, geht das tiefer. Als sich die ehemalige medizinische Fachangestellte aus Neuss entschloss, ihren sicheren, aber ungeliebten Beruf für ihre Nähleidenschaft aufzugeben, um ihrem Herzen zu folgen, suchte sie einen Namen für ihr Label. So entstand „Caroline ehrlich“. Ein starkes Statement, das für ihre eigene Ehrlichkeit steht, aber auch für ehrliche Kommunikation, faire Produktion und hochwertige Verarbeitung. Musselin aus Biobaumwolle ist der Stoff, aus dem Carolines Träume sind. Wahr werden sie in einer Zweizimmer-Altbauwohnung am Alexanderplatz.

Caroline_Strüwer_und_ihr_Label_Caroline_ehrlich_Porträt

Caroline empfängt mich in ihrer selbstgenähten, locker fließenden „Superbluse“ aus cremeweißem Musselin und führt mich über knarrende Dielen zu einem runden, alten Holztisch. Während ich daran Platz nehme, bleibt mein Blick hängen an einem Schlafsofa in Petrol vor einer Barocktapete in den Farben Lachs und Gold. Viele Einzelstücke aus Holz wie eine Kommode, eine Truhe und ein weißer Schaukelstuhl atmen den Duft vergangener Zeiten. In ihrer vanillefarbenen Poggenpohl-Küchenzeile aus den 1950er Jahren bereitet Caroline einen Lakritztee zu, während ich in einem Leiterregal zwischen vielen Büchern den Beststeller „Sorge dich nicht, lebe“ des US-amerikanischen Motivations- und Kommunikationstrainers Dale Carnegie entdecke. Ein Hinweis auf das Credo dieser jungen Frau, die sich selbst ganz neu erfunden hat und nun mit positivem Denken und dem Glauben daran, dass alles gut wird, durchs Leben geht. Vorausgegangen waren unruhige Zeiten, wie sie erzählt: „Nach dem Abschluss meiner Ausbildung im Jahr 2014 habe ich fast jährlich meine Arbeitsstellen gewechselt. Das war mir lange peinlich, aber jetzt weiß ich: Das musste so sein, um den Weg zu finden, den ich jetzt gehe.“

„Ich glaube daran, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht.“

Caroline Strüwer

Der Frust über die eigenen Ängste und Sorgen, über das Leid, nicht so zu sein, wie sie sein wollte, hat die junge Frau früher gerne mal durch Alkohol und Zigaretten zu bekämpfen versucht. Dann hat sie ihren Freund und dessen Familie kennengelernt. Dadurch ist alles dem Bestreben gewichen, offen mit anderen Menschen und sich selbst umzugehen sowie der Motivation, frei und unabhängig das zu tun, was sie liebt – auch wenn sie noch nicht davon leben kann. Deshalb arbeitet Caroline Strüwer in einer Spezialmanufaktur, wo Antiziehgeschirre für Hunde genäht werden. Das Nähen erfüllt sie in jeder Faser ihres Herzens. Manchmal verbringt sie Tage lang an ihrer Nähmaschine mit Blick auf die großen Bambussträucher im Garten. Auf ihrem Zuschneidetisch liegen Musselinstoffe in Beige, Rostbraun, Rosa, Blau, Lila, Petrol und Oliv – eher „leise“ Farben, die sich auch in den liebevollen Details der Wohnung wiederfinden: Hier einzelne Vogelfedern hinter Glas, dort ein paar aufgestapelte Kuschelkissen in Naturtönen.

Zukunftsvision: ein eigener Concept Store

Caroline Strüwer näht für Frauen jeden Alters und vermarktet die Ergebnisse im Bekanntenkreis und übers Internet. Das Label „Caroline ehrlich“ umfasst verschiedenste Blusen, Hemden und Jacken, große quadratische Tücher, die auch als Stilltücher verwendet werden können, Bauchtaschen aus Breitcord und Accessoires wie Portemonnaies und Haarbänder. „Musselin ist sehr weich, wärmt und kühlt gleichermaßen. An den vielen heißen Sommertagen habe ich ausschließlich meine Musselinblusen getragen“, schwärmt Caroline, während draußen auf dem Alexanderplatz die ersten Blätter von den Kirschbäumen fallen. Dem Winter schaut sie voller Vorfreude entgegen, denn dann wird sie zum zweiten Mal auf dem Weihnachtsmarkt „Made in Krefeld Special“ unterhalb der Dionysiuskirche dabei sein, dieses Mal zehn Tage lang mit einem eigenen Stand.

Gefragt nach ihren Zukunftsvisionen sagt die junge Designerin: „In fünf Jahren bin ich noch bekannter geworden, habe eine größere Produktion, eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und kann von meinem Unternehmen leben. In zehn Jahren lebe ich auf einem Bauernhof zusammen mit meinem Freund und anderen lieben Menschen. Dort betreibe ich einen eigenen Concept Store.“ Fürs neue Jahr hat sich Caroline Strüwer vorgenommen, ihr Label in einigen bestehenden Concept Stores vorzustellen.

Was sich aber nicht mehr verändern wird, ist ihre Haltung zum Leben: „Bringen wir einfach den Mut auf, das zu tun, was wir können. Ich kann nähen, ich liebe es, zu nähen, und genau deshalb mache ich genau das.“ An die sich verändernde Gesellschaft richtet sie den Appell: „Ich wünsche mir sehr, dass es in Zukunft einfacher für alle Menschen wird, ihren eigenen Weg zu gehen, egal woher sie kommen. Dass es irgendwann nicht mehr wichtig ist, welche Ausbildung man hat, sondern nur, was man kann und was man möchte, auch wenn das bedeutet, einen Weg zu gehen, den man noch nicht kennt.“ Caroline Strüwer ist diesen Weg gegangen und wird täglich belohnt: mit innerer Zufriedenheit und dem Wissen, dass dieser Satz der Mutter ihres Freundes stimmt: „Es kommt schon alles richtig.“


Caroline Strüwer
kontakt@caroline-ehrlich.net
www.caroline-ehrlich.de


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