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Karin Mast Meine Abenteuerlust hat sich nie gelegt!

Karin Mast

Langweilig ist es Karin Mast in ihrem mittlerweile 78 Jahre dauernden Leben nie geworden. Immer wieder hat sie Neues ausprobiert, Projekte gestartet und Menschen kennengelernt. Ihre große Abenteuerlust brachte sie bereits im zarten Alter von 21 Jahren dazu, alle Zelte abzubrechen, um auf Mallorca Ausflugtickets zu verkaufen. Sie arbeitete als Hostess auf Ausflugschiffen und in einem Souvenirladen. Und schließlich lernte Karin in Spanien auch ihren ersten Mann kennen – aber dazu später mehr. Bei aller Spontanität gab es stets eine wichtige Konstante in Karins Leben: die Musik! Und später auch ihr Engagement für den Umweltschutz.

Aber erst einmal zur Musik: Schon im Bauch ihrer Mutter bekam Karin Mast eine gute Portion Sound und Rhythmus mit auf den Weg. Die Mutter war Tänzerin am Stadttheater von Ratibor in Oberschlesien – und lauschte manchmal verbotenerweise westlichen Sendern, hörte Big Band Jazz von Stan Kenton. Nachdem es die Familie kriegsbedingt nach Düsseldorf verschlagen hatte, stand Karins Mutter zwar nicht mehr auf der Bühne. Aber das kleine Mädchen betrachtete andächtig ihre Fotoalben, die Bilder des glamourösen Theaterlebens zeigten.

Die Qual der Berufswahl

Den nächsten Baustein für die Musikkarriere der späteren Jazzsängerin legte ihre Musiklehrerin, die die Freude für das Singen in ihr weckte. „Die war sowas von flott und modern, dass wir für die Benotung sogar Pop-Titel vorsingen durften“, erinnert sich Karin. So stand für den Teenager schon bald fest, dass sie eine künstlerische Laufbahn starten würde, um schnell so berühmt zu werden wie ihre Idole. Dabei hatte sie allerdings die Rechnung ohne ihren konservativen Vater gemacht, der ihr ,als Mädchen‘ schon verboten hatte, auf ein Gymnasium zu gehen. So muss Karin erst einmal einen bürgerlichen Beruf erlernen und entscheidet sich aufgrund ihrer Sprachbegabung für den der Fremdsprachenkorrespondentin.

Wenn ihre Eltern meinten, dass ihre Tochter nun zur braven, strebsamen jungen Frau würde, hatten sie sich gewaltig getäuscht. Karin steckt voller Lebenslust, unternimmt viel, geht aus. Die Kneipen der Düsseldorfer Altstadt werden ihr ,zweites Zuhause‘. Auf dem Weg zu einer Party trifft Karin, die damals noch Kreusch mit Nachnamen heißt, ihren zukünftigen Musikerkollegen Freddy Schauwecker, der eine Sängerin für seine Dixieland-Band ,Collegium Jazzicum‘ sucht. Kurz entschlossen lädt die Krefelderin die Jungs zu sich nach Hause ein und singt ihnen vor. Gebongt! Die Sängerinnenkarriere von ,Karin K‘ beginnt.

Karin Mast 1985 mit ihren Musikerkollegen von
der HA-Meder-Band: von links nach rechts – Philip de
Sousa, Charly Opriel, Helmut Meder, Wolfgang Vierguth

Eine Frohnatur mit Blues

Es folgen diverse Auftritte in Düsseldorfer Altstadtkneipen, bei denen Karin entdeckt, dass ihr Herz – trotz Frohnatur – für melancholischen Blues schlägt. Beschwingt versucht sie, neue Kontakte zu knüpfen und landet schließlich beim Holger Clausen Quintett, wo sie sich musikalisch und menschlich wohlfühlt. Eine beginnende Liebe mit dem Bandleader beendet sie durch den bereits erwähnten ,Ausflug‘ nach Mallorca. Dass Karins spanisches Intermezzo etwas länger dauert, ist der Tatsache geschuldet, dass sie auf der Insel ihren ersten Mann Pedro kennenlernt. Dessen Begeisterung für Karins Fröhlichkeit endet jedoch abrupt, nachdem die Ehe amtlich ist. Ihr ,Latin Lover‘ erweist sich als krankhaft eifersüchtig. Die Frischvermählte darf nicht mehr singen oder arbeiten, sondern soll wieder einmal die Rolle der ehrbaren Hausfrau spielen. Zum Glück zieht das junge Paar bald nach Düsseldorf und Pedro muss zum Wehrdienst zurück nach Spanien. Die Geburt ihrer Tochter Angelina kann die angeschlagene Ehe schließlich auch nicht mehr retten.

Zurück in der Freiheit stürzt Karin sich wieder in die Musik und ihr altes ,Lotterleben‘. Bis sie 1973 ihren zweiten Mann Rolf Mast kennenlernt, der ihre Musik nicht nur akzeptiert, sondern sogar mit ihr und der Jolly Jazzband durch die Lande zieht. Regelmäßig gastieren sie in Düsseldorfer Kneipen wie Dr. Jazz, Zille oder Et Pötzke, treten aber auch im Hotel Nikko oder im Hilton auf. „Damals war ich in mehrfacher Hinsicht im siebten Himmel“, erzählt Karin mit einem Lächeln im Gesicht. „Mein Mann war mein ‚wohlwollender Kritiker‘.“ Nach der Geburt ihres Sohnes Benjamin 1979 zieht Karin nach Krefeld, wo sie zusammen mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern sowie Rolfs Sohn Olaf eine Patchworkfamilie bildet. Wenn jemand fragt, wie viele Kinder sie habe, sagt Karin: „Drei – meins, seins und unseres!“ Während sie ihren Beruf vorübergehend für ihre Familie aufgibt, steht sie weiterhin als Sängerin auf der Bühne. Mitte der 1980er Jahre gehört sie fest zur Krefelder Jazz-Szene.

Der Reaktor-GAU von Tschernobyl: Karin und der Umweltschutz

Diese friedlich-frohe Phase ihres Lebens wird 1986 abrupt unterbrochen. Und zwar nicht durch einen persönlichen Schicksalsschlag, sondern durch ein externes Ereignis, das die Welt veränderte. Im Mai dieses Jahres kollabiert der sowjetische Kernreaktor in Tschernobyl. Für Karin Mast ist das ein Weckruf, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben. Sie engagiert sich umgehend beim Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland ‚BUND‘ und bei der Initiative Demokratie Entwickeln, genannt ‚IDEE‘. Die gesundheitlichen Folgen des Reaktorunfalls beschäftigen die Mitte-Vierzig-Jährige sehr. So wird sie Sprecherin des BUND-Arbeitskreises Gesundheit und leitet einige Jahre lang die BUND-Kreisgruppe Krefeld.

Die Musik und der Umweltschutz – Karin findet nicht nur Wege, beide Leidenschaften nebeneinander zu verfolgen, sie kombiniert sie sogar. So stellt sie für eine Talkshow zum Thema Chemiepolitik mit dem damaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer ein musikalisches Trio zur Auflockerung der Veranstaltung zusammen. 1997 organisiert sie mit einem Team aus Verbänden, Politik und Verwaltung ein alternatives Krefelder Stadtfest. Unter dem Motto ‚Manche mögen´s leis‘ fährt sie mit dem Schirmherrn, dem damaligen Oberbürgermeister Dieter Pützhofen, in einer Rikscha durch die Stadt. „Leise bezog sich für mich nicht nur auf das Akustische, sondern auch auf den Umgang mit Mensch und Natur“, erklärt sie das damalige Motto.

Zwei produktive Jahrzehnte

Die Jahre nach der Jahrtausendwende werden für Karin Mast sehr produktiv. 2002 – vor 20 Jahren also – konzipiert sie ihr erstes thematisches Programm ,Poesie und Klang‘, das sie mit den Musikern Jörg Siebenhaar und Max Zelzner umsetzte. Premiere ist im Kultur.Punkt der Krefelder Friedenskirche. Die Idee eines thematischen Konzertprogramms gefällt Karin damals so gut, dass sie gleich zwei Jahre später das Programm ‚To Marylin with Love‘ arrangiert und mit ihrem 1998 gegründeten ‚Karin Mast Quintett‘ und weiteren Musikern der Musikschule ‚Rhythm Matters‘ auf die Bühne bringt. „Für Marylin Monroe haben sowohl meine Mutter als auch ich seit meinen Teenagerjahren geschwärmt. Ihr Tod hat uns damals tief getroffen“, erzählt Karin.

„Für Marylin Monroe haben sowohl meine Mutter als auch ich seit meinen Teenagerjahren geschwärmt. Ihr Tod hat uns damals tief getroffen.“

Karin Mast

Im Jahr 2005 gründet sie, zusammen mit Jochen Grässel, Jürgen Schneider und ihrem Mann Rolf die Band ‚Blue Karma‘, die aktuell aus Klaus-Peter Kegel am Piano, Peter Schicks am Bass und Thomas Giering am Schlagzeug besteht. Um noch professioneller auftreten zu können, nimmt sie Gesangsunterricht und gründet mit drei Kolleginnen die Formation ,Four Ladies for Jazz‘. Als passionierter ,Projektjunkie‘ wird sie Vorsitzende des Jazzklub Krefeld und organisiert in dieser Funktion ihr nächstes Konzertprogramm ‚Happy Birthday Mr. Gershwin‘ im Jazzkeller, wo sie 2012 auch ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Und damit noch lange nicht genug: 2013, 2016 und 2017 folgen mit ‚Ringelnatz und Jazz‘, einer ‚Hommage für Hildegard Knef‘ und ‚Unforgettable Ella – A Tribute to Ella Fitzgerald‘ drei weitere liebevoll arrangierte Herzensprojekte.

Karin Mast

Die Musik als Anker in Krisenzeiten

Leider stirbt ihr Mann Rolf im Februar 2016 an seiner langjährigen Krebserkrankung. Nach dem ersten Schock findet Karin in der Musik ihre beste Trauerbewältigung und nimmt die Bandproben wieder auf. Inspiriert von einem Buch der Reihe ‚Die Weisheit der Welt‘, gründet sie die Band ‚Ethnospheres‘ und begibt sich mit Texten, Liedern und Improvisationen zunächst nach Afrika.

Mit 76 Jahren und voll in ihrer Schaffenskraft, wird Karin 2020 von der Corona-Pandemie überrascht – und muss alle geplanten Konzerte absagen. Die Premiere ihres neuesten Konzertprogramms ‚A Tribute to Billie Holiday‘ im Januar kann gerade noch stattfinden. Doch auch jetzt legt sie die Hände nicht in den Schoß, sondern beteiligt sich an dem von Joachim Watzlawik initiierten Projekt ,Draußen vor der Tür‘ zugunsten der notleidenden Gastronomie.

Und jetzt – im Jahr ihres 60. Bühnenjubiläums – ist Karin Mast mit 78 immer noch nicht im Ruhestand angekommen. Allerdings hat sie beschlossen, sich in der verbleibenden Zeit voll auf die Musik zu konzentrieren und ihr Ehrenamt beim BUND abgegeben. Nach dem Ende der meisten Corona-Maßnahmen plant sie jetzt wieder neue Konzerte, wie ihren Benefiz-Auftritt im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Glasklar‘ zugunsten der Initiative ‚Krefeld für Kinder‘ am 27. November. Am 9. Dezember veranstaltet die ,Krefelder Jazzkönigin‘ mit ‚Karin Mast – eine musikalische Reise durch mein Leben‘ ihre persönliche Form einer musikalischen Autobiografie im Kultur.Punkt Friedenskirche.

Rückschau – aber kein Ruhestand

„Dass ich jetzt auf mein Leben zurückschaue, heißt aber noch lange nicht, dass ich mich zur Ruhe setze. Das könnte ich, glaube ich, gar nicht. Meine Abenteuerlust hat sich nie gelegt. Solange ich kann, gehe ich auf die Bühne“, ist Karin Masts Credo. Und wie es aussieht, darf sie jetzt auch endlich ihren bereits im Mutterleib geträumten Traum verwirklichen – und mit einer Big Band auftreten. Durch Vermittlung ihrer Sängerkollegin Kerstin Brix wird sie mit der Jazz Swing College Band der Musikschule Krefeld singen.

www.karin-mast.de, www.blue-karma.jimdofree.com

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