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Die Frau an der Spitze der Stadtwerke Krefeld Kerstin Abraham: Teamplayerin mit Vorbildfunktion

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Als Kind wollte sie Architektin werden, hat aus LEGO stundenlang Häuser und ganze Städte gebaut. Heute ist Kerstin Abraham Architektin einer der umsatzstärksten und größten Krefelder Konzerne. Bei den Stadtwerken Krefeld hat die 55-Jährige in den vergangenen zehn Jahren das traditionell solide wirtschaftliche Fundament weiter ausbauen können. Ein Portrait über eine Frau in einer Führungsposition, in deren Strategieliste auch Gleichberechtigung zu finden ist.

Kerstin Abraham ist Ehefrau, Mutter eines 17-jährigen Sohnes und Managerin. Als sie 2012 als erste weibliche Top-Führungskraft in der Geschichte der Stadtwerke Krefeld an die Spitze gewählt wurde, begründete der Aufsichtsrat damit ein starkes Signal für das neue Vorstandsduo bei der SWK.

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„Vorbild zu sein, ist vieles. Es beginnt bei einer freundlichen Begrüßung und geht mit einer wertschätzenden Gesprächskultur weiter.“

Wer in der Champions League der bundesdeutschen Stadtwerke mit 3.200 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro ganz oben mitspielt, trägt Verantwortung für strategische Entscheidungen und Menschen. Für Kerstin Abraham ist Diversität ein Schlüssel zum Erfolg: „Unsere Kunden sind bunt und divers, und unsere Mitarbeitenden sind es als Spiegelbild der Gesellschaft auch. Das muss sich natürlich auch im Management zeigen, denn nachgewiesener Weise sind diverse Unternehmen, ist ein diverses Management, erfolgreicher.

Unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen, gepaart mit einer guten Diskussionskultur, führen zu besseren Produkten und Entscheidungen. Dafür brauchen wir Meinungen von jüngeren und älteren Kollegen, von Frauen und Männern, von Deutschen und Mitarbeitenden anderer Herkunftsländer. Verschiedenste Nationalitäten in Führungspositionen werden bei uns im Konzern auch immer mehr zur Selbstverständlichkeit.“ Zudem gibt es sehr flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle, beispielsweise für Mütter und Väter für die Kindererziehung, aber auch für Kolleginnen und Kollegen, die sich um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern müssen. Faire und transparente Bewerbungsprozesse und Aufstiegschancen sowie die gleichwertige Bezahlung von Frauen und Männern sind weitere Ansätze.

„Wir wirken immer“

Menschen für eine Sache, für ein Ziel zu begeistern, ist wesentliche Aufgabe von Führungskräften. Dabei hilft es, Teamplayer und Vorbild zu sein. „Ich muss ansprechbar sein und zuhören können. Freude am persönlichen Austausch gehört dazu. Das fängt mit wertschätzender Gesprächskultur, auch bei schwierigen Themen, an und beinhaltet, dass man seinen Gesprächspartner einfach auch mal fragt, wie es ihm gerade geht“, sagt Kerstin Abraham. Außerdem müsse eine gute Führungskraft authentisch sein: „Wer sich den ganzen Tag verstellt, wird irgendwann enttarnt. Und Frauen sollten im Top-Management auch ,Frau‘ bleiben.“ Die SWK-Vorständin hat ihre Art, zu führen, aus dem eigenen beruflichen Erfahrungsschatz abgeleitet. Sie hat gute und weniger gute Chefinnen und Chefs erlebt, war Konkurrenzkämpfen und verletzten Eitelkeiten ausgesetzt und zog weiter, wenn dies zu sehr nervte oder zu viel Routine einkehrte. „Als Führungskraft muss man sich bewusst machen: Man schaut auf uns. Wir wirken immer“, erklärt Abraham. 

Bei den Stadtwerken Krefeld sei sie auf ein Team getroffen, das sich durch hohes Engagement und tolle Fähigkeiten auszeichne. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vorstandskollegen Carsten Liedtke erfahre hervorragende Unterstützung von rund 30 Frauen und Männern in der ersten Führungsebene. „Wir sind ein richtig gutes Team und diskutieren die wichtigen Entscheidungen gemeinsam“, schwärmt Kerstin Abraham und ergänzt: „Hier ist auch der Leitsatz entstanden: ,Wir wollen Frauen und Männern zeigen: Alles geht bei den SWK.‘ Durch unsere große Flexibilität in der Arbeitsorganisation können wir Freiräume schaffen, um Beruf und Privatleben in Einklang zu bekommen. Vor allem Eltern möchten wir signalisieren, dass es kein Problem ist, ein Kind zu bekommen, und auch Führung in Teilzeit ist kein Problem.“  Die SWK-Vorständin lebt das selbst vor: „Auch mir hilft der Digitalisierungsschub, der durch Corona immens an Geschwindigkeit zugenommen hat, meine Arbeitszeiten und Arbeitsorte flexibler zu gestalten. Nicht die Anwesenheit in Stunden entscheidet über Leistung und Erfolg, sondern das Führen mit Zielen und die Transparenz, ob jeder den Teil dazu beiträgt, den man vorher verabredet hat.“

Kerstin Abraham möchte Männer und Frauen auch ganz persönlich motivieren, eine Führungsaufgabe zu übernehmen: „Führen heißt Verantwortung, Gestalten und Entscheiden. Und das macht einfach großen Spaß. Wer also Freude an Verantwortung und der Zusammenarbeit mit Menschen hat, der ist genau richtig. Für mich gehört ein positives Menschenbild unbedingt dazu, als Basis für ein Führen mit Vertrauen. Und man muss wissen, dass man auch Rückschläge verkraften und zu Fehlentscheidungen stehen muss.“

Die Frage nach der „Frauenquote“ beantwortet die SWK-Chefin so: „Da geht natürlich mehr, aber wir sind nun mal eine sehr männlich dominierte Branche mit Energie und Netzgeschäft, ÖPNV und Entsorgung. Außerdem haben wir eine geringe Fluktuation. Aber dort, wo wir über Nachfolgen entschieden oder neue Positionen geschaffen haben, haben wir schon einiges erreicht.“ Noch gibt es aber auch Besetzungsverfahren, bei denen sich gar keine Frau bewirbt. Deshalb machen die Stadtwerke bereits in Schulen und Hochschulen auf entsprechende Positionen aufmerksam. „Am Ende zählen natürlich immer Fähigkeiten und Leistung. Die am besten geeignete Person soll sich durchsetzen“, so Kerstin Abraham, die hinzufügt, dass sich die Frauenquote im SWK-Konzern in den vergangenen zehn Jahren deutlich erhöht habe:

„Bei uns arbeiten heute 23 Prozent Frauen, davon 17 Prozent in Führungspositionen. Damit liegen wir über dem Schnitt unserer Branche.“

Die großen Aufgaben der Zukunft seien es, den Kundenerwartungen und Margenrückgängen durch noch mehr Digitalisierung und Automatisierung zu begegnen, die Anstrengungen für den Klima- und Ressourcenschutz zu erhöhen, und das nachhaltig, also im Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung. Dazu zählten unter anderem bezahlbare Produkte und Arbeitsplatzsicherheit. Was die Managerin natürlich auch umtreibt und sehr bewegt, sind Corona und der Krieg in der Ukraine. „In diesen erschütternden Zeiten mit dem menschlichen Leid und den flüchtenden Menschen steht die Versorgungssicherheit in Deutschland urplötzlich im besonderen Risiko – etwas, was wir uns Jahrzehnte nicht mehr vorstellen konnten und wollten.“

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Joggen, Tennis und Reisen als Ausgleich

Bei allen Themen ist es verständlich, dass Kerstin Abraham rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche mit den Gedanken bei ihrer Aufgabe ist. Jeder Arbeitstag ist randvoll mit Meetings zu Projekten und Wirtschaftsplänen, Gesprächen mit Führungskräften und Mitarbeitenden, dem Betriebsrat und Konzernbetriebsrat sowie Terminen mit Politik, Stadtverwaltung, Geschäftspartnern und Kunden. Nach Feierabend und am Wochenende kommen häufig gesellschaftliche Verpflichtungen dazu, schließlich engagieren sich die Stadtwerke auch im sozialen und kulturellen Bereich.

Wo bleibt da Raum für Privates? Kerstin Abraham lächelt: „Ich kann den Tag am besten mit Bewegung abschließen. Selbst, wenn es sehr spät ist oder es regnet, gehe ich im Stadtwald laufen oder spazieren. Dabei habe ich im Übrigen immer die besten Ideen. Außerdem spiele ich Tennis. Und wenn ich dann noch von meinem Mann mit einem tollen Abendessen verwöhnt werde, klingt der Tag perfekt aus.“ Man spürt: Die Topmanagerin ist mit sich im Reinen; Berufs- und Familienleben sind miteinander im Einklang. Wie wichtig eine gesunde Work-Life-Balance ist, das wurde ihr vor fünf Jahren drastisch vor Augen geführt: Damals erkrankte Kerstin Abraham an Brustkrebs und kämpfte sich mit Hilfe ihrer Familie durch diese Zeit. Heute schaut sie mit mehr Dankbarkeit und Demut auf ihr Leben und betont, was ihr jetzt wirklich wichtig ist: „Ich bin einfach glücklich, wenn meine Lieben gesund sind.“



Ein neues Netzwerk in Krefeld: „Leading Ladies in Town“
2021 hat Kerstin Abraham gemeinsam mit Mario Bernards, dem Leiter des Nachbarschaftsbüros des Chemparks Krefeld-Uerdingen, der Krefelder Gleichstellungsbeauftragten Heike Hinsen und Dr. Inge Röhnelt, die bis zu ihrem Ruhestand die VHS geleitet hat, das Netzwerk „Leading Ladies in Town“ (LLiT) gegründet. „Wir wollen topqualifizierte Fach- und Führungsfrauen ermutigen und unterstützen, den Einstieg, Wiedereinstieg oder den Durchstart in ihrer Karriere zu wagen“ beschreibt die SWK-Vorständin das Ziel. Weitere Infos: www.llit-krefeld.de