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Slowflower Blütenträume von zu Hause

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Blumen üben auf den Menschen seit jeher eine unwahrscheinliche Anziehungskraft aus. Sie sind verträumt, verspielt, edel, sie duften und heilen. Blüten begleiten uns als Schmuck, als Geschenk und kleine Augenweiden am Wegesrand unser ganzes Leben lang und vermögen uns so sehr zu verzaubern, dass Dichter und Künstler sie seit jeher in ihren Werken verehren.

Verzaubert wirkt auch Alexandra Kiefer an diesem sonnigen Frühlingsmorgen in ihrem Garten in Meerbusch. Die Faszination für alles Blühende hat die 32-Jährige so begeistert, dass sie – eigentlich studierte Betriebswirtin – sie zu ihrem Beruf gemacht hat. Alexandra ist Gartengestalterin und Mitglied der Slowflower-Bewegung, einer Initiative, die das Ziel verfolgt, Nachhaltigkeit in der Floristik zu implementieren.

Slowflower_Alexandra Kiefer

Alexandra Kiefer ist begeisterte Slowflower-Aktivistin
mit eigenem Schnittblumenanbau.

Was ist Slowflower?

Über 90 Prozent aller Schnittblumen, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus dem Ausland. Zum Teil stammen sie aus Ländern wie Kenia, Sambia, Äthiopien oder Ecuador, wo die Rückstände ihres chemisch unterstützen Anbaus in Monokulturen der heimischen Natur schaden. Die Slowflower-Bewegung möchte Konsumentinnen und Konsumenten unter dem Motto „Regional, saisonal, nachhaltig“ wieder einen Bezug zu ihren Blumen vermitteln. Mitglied kann werden, wer Schnittblumen ohne Pestizide oder Gentechnik nur mit organischem Düngematerial anbaut und dafür nachhaltig produziertes Saatgut verwendet oder solche Blumen vertreibt. Angebaut wird alles, was im hiesigen Klima wachsen kann. In Deutschland gibt es Slowflower seit 2019.

Wer in seinem eigenen Garten oder gar im größeren Stil nach ökologischen Gesichtspunkten Blüten anbaut, vertreibt oder über nachhaltigen Schnittblumenanbau informiert, ist herzlich eingeladen, bei der Slowflower-Bewegung mitzumachen. „Wir befinden uns ja gerade noch im Aufbau, aber wir freuen uns sehr über alle, die sich uns anschließen“, ermuntert Alexandra.

Im Sommer werden Dahlien auf den kleinen Feldern stehen. (Foto: Petra Brinkmann)

Vom Hobby zum Beruf

Sie selbst ist früh in die Bewegung eingestiegen. Die Meerbuscherin beschäftigt sich schon lange mit Gärten, früher neben dem Job und seit anderthalb Jahren nun hauptberuflich: „Ich habe in der Unternehmensberatung gearbeitet, aber dort fiel es mir schwer, mit den Rahmenbedingungen klarzukommen. Als Corona kam, war für mich der Punkt gekommen, mich zu entscheiden: Entweder, ich finde einen anderen Weg für mich innerhalb meines Berufs oder ich wechsle komplett in den Garten.“

Es wurde der Garten, und die freundliche Unternehmerin entwickelte sich durch intensives Selbststudium und diverse Fortbildungen zur Garten-Designerin und Blütenexpertin mit eigenem Schnittblumenanbau. „Mich beschäftigt der gesellschaftliche, nachhaltige Wandel. Wir müssen als Menschen wieder bewusst Teil der Natur werden. Ich habe das Gefühl, Gärten geben den Menschen die Möglichkeit, diese Beziehung wieder aufzubauen. Und sie tragen zur Biodiversität bei“, erklärt Alexandra ihre Philosophie. Die Beziehung des Menschen zu lebendigen Pflanzen, die ein Eigenleben, einen Zyklus und individuelle Bedürfnisse mitbringen, fasziniert die 32-Jährige am meisten an ihrem Job.

Alexandras Garten

Nach Slowflower-Prinzipien angebaute Blumen bekommen die Zeit, die sie brauchen, um mit den natürlich vorhandenen Ressourcen zu wachsen.

In kleinen Mini-Töpfchen am Rande ihres großen Naturgartens sprießen kleine Skarbiosen-, Rittersporn-, Fingerhut- und Sonnenhut-Keimlinge. Auf quadratischen, holzumrandeten Beeten inmitten der üppigen grünen Wiese wachsen jetzt Tulpen und Osterglocken. Im Sommer werden sich hier prächtige Dahlien entfalten.

Neben dem Gartencoaching und -design sowie dem Anbau von Slowflowers möchte die naturliebende junge Frau auch anderen ihre eigene Begeisterung und das Konzept nachhaltiger Floristik näherbringen. In Workshops, beim Blumenkränze- und Sträußebinden, erklärt sie, was Slowflower ist und warum sich ein offenes Auge für die Natur und den eigenen Garten lohnt. Beim Spaziergang im Grünen, hinter der Hausnummer 19, begleitet uns ein emsiges Zwitschern und Summen. Es fällt nicht schwer, auch selbst die liebevolle Begeisterung zu verspüren, die sie hier im täglichen Berufsalltag motiviert.

Seit fünf Generationen befindet sich der Garten im Besitz ihrer Familie. Im Krieg ernährte der Ertrag seiner Nutzbeete die Großeltern, heute ist er die Grundlage für Alexandras berufliche Entfaltung. „Unser Garten hat uns immer das gegeben, was wir in dem Moment brauchten – mal war es Essen, jetzt liegt der Fokus eben auf Ruhe und Schönheit“, sagt Alexandra. „Ich wünsche mir, dass mehr Leute begreifen, wie kostbar so ein Stück Erde ist.“

Flower Power

Zu ihrer Freude erfährt die Slowflower-Bewegung bereits wachsendes Interesse: „Nur manche Leute haben Vorurteile, weil der englische Begriff Slowflower so hip klingt – als wäre das irgendein Trend. Dabei ist das was ganz Simples. Ich erkläre älteren Leuten manchmal, dass Slowflower im Grunde genau das ist, was die Oma früher im Bauerngarten gemacht hat: eigene Sachen ernten und verstehen, wo die Dinge herkommen. Schön wäre es, wenn Konsumenten das auch ihrem Blumenladen einfach mal erfragen würden“, erzählt Alexandra und lacht. „So merken die Anbieter vielleicht, dass die Nachfrage nach Regionalität und Nachhaltigkeit durchaus da ist, und wenn wir auch große Anbieter davon überzeugen, dass nachhaltig angebaute Blumen nicht nur gut für die Natur sind, sondern auch qualitativ besser als konventionell gezüchtete, dann schaffen wir vielleicht eine kleine ‚Blumenrevolution‘.“

www.slowflower-bewegung.de

Alexandras Tipps für Gartenfreunde:

Regionale Staudenschulen:
„Die fliegen völlig unter dem Radar, leider. Dabei sind es totale Idealisten, die dort arbeiten. Sie kennen sich wahnsinnig gut aus, verkaufen hochwertige Pflanzen und beraten ganz toll!“

Zierblumengärtner:
„Die findet man zum Beispiel auf der Seite des föga e.V., genau wie viele andere nachhaltige Pflanzen- und Blumenanbieter. Die föga fördert und entwickelt diese Betriebe.“

Marktschwärmer:
„Hier werden regionale und nachhaltige Produkte direkt vom Hersteller an Konsumenten verkauft. Da gibt es auch Slowflowers zu kaufen – und viele andere tolle Sachen.“

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