In der Niederrheinischen Formenfabrik Janssen trifft Form auf Geschmack. Das Erfolgsrezept des Krefelder Familienunternehmens beruht nicht zuletzt auf der stetigen Weiterentwicklung ihrer preisgekrönten Plätzchenmaschinen

Michael Otterbein

Wir lieben sie alle, die kleinen Gebäckkunstwerke, von Spekulatius über Kipferl bis Spritzgebäck. Aber wir machen uns selten Gedanken darüber, wo die süßen Leckereien herkommen, wie der Teig in seine vielfältigen Formen gebracht wird. Das war bei Andreas Kalweit von Kindesbeinen an anders. Seine Familie beschäftigt sich bereits in der fünften Generation mit Gebäckformen und allem, was damit zusammenhängt. Seit elf Jahren nun sind er und seine Frau Petra Gersch Inhaber des 1872 gegründeten Traditionsbetriebs. 

Dabei war es zunächst noch gar nicht klar, ob Andreas Kalweit in den Familienbetrieb einsteigt. Er absolvierte eine Lehre als Betriebsschlosser und studierte Maschinenbau und Konstruktionstechnik an der Fachhochschule Niederrhein. Doch damit nicht genug: Kalweit studierte im Anschluss Industriedesign und war bereits während des Studiums Mitinhaber einer Designagentur. Konsequent setzte er seinen Weg in der Welt des Designs fort, wurde Mitherausgeber des umfangreichen und erfolgreichen Fachbuchs „Handbuch für technisches Produktdesign“, saß in Design-Award-Jurys und wurde schließlich 2012 Professor für „Manufacturing & Material Science“ an der Bergischen Universität Wuppertal. Und dann erreichte ihn doch noch der Ruf der Familie. Kalweits Vater wollte sich nach über 55 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückziehen und fragte seinen Sohn und seine Schwiegertochter, ob sie den Traditionsbetrieb weiterführen möchten. 

Fokus auf Plätzchenmaschinen

„Meine Frau und ich hatten eine Woche Zeit, diese Entscheidung zu treffen“, erinnert sich Andreas Kalweit. „Jetzt ist meine Frau Geschäftsführerin, und ich teile meine Zeit zwischen meiner hauptberuflichen Professur an der Uni und der Formenfabrik, wo ich die technische Entwicklung in Teilzeit fortführe. Wir sind voll in das Thema eingestiegen, haben das gesamte Portfolio auf den Prüfstand gestellt und viele Produkte aufgegeben, um uns komplett auf die Plätzchenmaschinen zu fokussieren, die wir dann noch einmal von Grund auf neu entwickelt haben. Das war genau die richtige Strategie.“ Heute sei das Unternehmen auf seinem Markt quasi konkurrenzlos. „Bei den Plätzchenmaschinen haben wir eine sehr gute Expertise entwickelt und können quasi auf alle Anforderungen und Sonderwünsche eingehen. Das können auch Gebäckformen für glutenfreie oder vegane Teige sein“, führt Andreas Kalweit aus.

„Es macht Spaß, Unternehmen zu unterstützen, die etwas Besonderes und Genussvolles produzieren.“

Andreas Kalweit

Angefangen hat die Firmengeschichte im 19. Jahrhundert mit Hirten, die aus Langeweile Figuren schnitzten. Gründer Gerhard Janssen arbeitete im Hefehandel und hatte so Kontakt zu Bäckern, denen er die von den Hirten geschnitzten Backformen – genannt Models – auslieh. 1872 gründete er dann die Niederrheinischen Formenfabrik und warb Absolventen der Krefelder Werkkunstschule an, so dass er seine Backformen bald in der gesamten Region verkaufen konnte. In der zweiten Generation wurden dann die ersten Formwalzen für handbetriebenen Plätzchenapparaturen hergestellt, was für die Bäcker eine enorme Erleichterung im Vergleich zu der sehr aufwändigen Keksherstellung mittels Models bedeutete. Durch die Elektrifizierung konnten die Maschinen im nächsten Technologieschritt breiter werden, sodass es möglich war, größere Backbleche mit Keksen zu belegen. Dabei war es ein großes Plus der Niederrheinischen Formenfabrik gegenüber vielen Mitbewerbern, dass die Maschinen und Geräte ausschließlich in Krefeld und in hoher Qualität hergestellt wurden und man so von externen Lieferanten unabhängig war. 

Die Janssen-Maschinen sind ausschließlich aus recyclebaren und trennbaren Materialien hergestellt

Durch die nun aktive, fünfte Generation wurden die bereits sehr erfolgreichen Gebäckmaschinen dann noch einmal komplett überarbeitet und neu konzipiert. „Bei der Konstruktion unserer Gebäckformmaschinen verzichten wir bewusst auf unnötige Komplexität. Alle verwendeten Materialien sind für eine lange Lebensdauer und den Einsatz in der Lebensmittelindustrie ausgelegt“, erklärt Andreas Kalweit die Firmenphilosophie. Die robusten Janssen-Maschinen sind ausschließlich aus recyclebaren und trennbaren Materialien hergestellt und ihre Bauteile so konstruiert, dass sie vom Kunden selbst gewartet oder auch ausgetauscht werden können. Sie stehen inzwischen überall in Deutschland, aber auch in vielen Ländern Europas wie Österreich, Holland, Belgien oder England – und zum Teil sogar in Übersee. 

Niederrheinische_Formenfabrik_Janssen_Andreas_Kalweit

Es ist sicher kein Zufall, dass ein Unternehmen, das von zwei Designern betrieben wird, für seine Produkte bereits mehrere Awards eingeheimst hat – so zum Beispiel den „Red Dot Design Award“, den „German Design und Innovation Award“ sowie den „Plus X Design Award“, der die neu konzipierten Gebäckformer der F-Serie mit den Prädikaten „High Quality, Design, Bedienkomfort, Funktionalität und Ergonomie“ auszeichnet. Ein Negativpreis wurde dagegen kürzlich für das illegale Kopieren von Janssens Technologie verliehen. 2021 erhielt der türkische Hersteller Handymach den „Plagiarius“ für eine dreiste Eins-zu-Eins-Kopie des Handgebäckformers Formfix 105. „In diesem Fall haben wir uns gegen einen Rechtsstreit entschieden, die Produktion dieses Gerätes eingestellt und ein komplett neues Modell mit deutlich besserem Funktionsumfang entwickelt, für das wir natürlich Schutzrechte angemeldet haben. Damit wird das Plagiat sehr unattraktiv am Markt“, erläutert Andreas Kalweit.

Der beste Schutz gegen dreiste Produktpiraten ist für die Niederrheinische Formenfabrik allerdings nach wie vor die hervorragende Beziehung zu ihren Kunden. „Wir erhalten immer wieder sehr schönes und persönliches Feedback. Das liegt sicher daran, dass wir intensiv beraten und sehr viel Zeit dafür nehmen, auch auf individuelle Wünsche einzugehen“, betont Andreas Kalweit. „Unsere Interessenten laden wir gerne zu einem ganztägigen Teigtest ein. So verbringen wir bereits viel Zeit zusammen, bevor sie unsere Maschinen kaufen.“ Weil alles so gut funktioniert, bekommt das Team der Formenfabrik manchmal sogar handschriftliche Briefe mit tollem Gebäck, das in den funktionstüchtigen Maschinen zufriedener Kunden produziert worden ist. „Ich mag das Bäcker- und Konditorhandwerk“, freut sich der Firmeninhaber. „Besonders in den letzten Jahren, wo die Besinnung auf Qualität und Regionalität stark zunimmt. Es macht Spaß, Unternehmen zu unterstützen, die etwas Besonderes und Genussvolles produzieren. Das durchdringt den gesamten Alltag, auch wenn er sich mit der Bearbeitung von Metall und Kunststoff beschäftigt. Deswegen haben wir uns auch den Slogan ‚Janssen formt Genuss‘ gegeben.“


Niederrheinische Formenfabrik Janssen
Moerser Straße 33, 47798 Krefeld
www.nff-janssen.de

Michael Otterbein

Über den/die Autor/in: Michael Otterbein

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Tags: , , , , , 0 Kommentare on Niederrheinische Formenfabrik JanssenVeröffentlicht am: 11. April 2022Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2023992 WörterGesamte Aufrufe: 727Tägliche Aufrufe: 15,3 Minuten Lesezeit

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