Wie kleine graue Wächter stehen sie im gesamten Stadtbild, in Nischen und Häuserzeilen, an Plätzen und Kreuzungen – und dennoch sind Verteilerkästen so unscheinbar und schmucklos, dass sie einem selten bewusst ins Auge springen. Es sei denn, sie werden zum identitätsstiftenden Kunstwerk. Das Stadtmarketing möchte Krefelderinnen und Krefelder dazu ermuntern, diese kleinen metallenen Leinwände in ihrer Wohnumgebung selbst zu gestalten und für ein ganz besonderes Projekt Professionelle aus der Kreativbranche begeistern.
Die Idee.
Wer gerne einem Verteilerkasten in seiner Wohn- oder Arbeitsumgebung einen neuen Look verpassen möchte, aber nicht so recht weiß, wie das geht, erhält vom Stadtmarketing ab sofort Unterstützung dabei: Da die Verteilerkästen vielen unterschiedlichen Eigentümern gehören und die erlaubten Gestaltungsmöglichkeiten entsprechend variieren, stellt das Team um Claire Neidhardt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bereit, die erläutert, was zu beachten ist und wo das Stadtmarketing die Abstimmung übernimmt. „Hier geht es nicht darum, Gelder zu verteilen, das würde unseren Rahmen sprengen, sondern vielmehr darum, Menschen, die eine Idee und die Mittel dafür besitzen, die Hemmung vor einer eigenständigen Umsetzung zu nehmen“, erläutert Neidhardt.
Da es sich bei der Offensive KastenArt um einen Eingriff in den öffentlichen Raum handelt, dürfen die Kästen zwar kreativ, bunt und durchaus speziell gestaltet werden, aber: die Umgebung und das Stadtbild müssen im Kreativprozess mitgedacht werden.
Die Gestaltungsmöglichkeiten.
Option 1 Integration in die Umgebung: Je nachdem, wie die Umgebung eines Kastens beschaffen ist, kann es sinnvoll sein, ihn mit seinem Hintergrund verschmelzen zu lassen. So kann auch ein Verteilerkasten zumindest augenscheinlich im Einklang mit der Natur oder einer architektonischen Epoche stehen. Dabei besteht auch die Möglichkeit, Elemente auf dem Kasten zu platzieren, die den Hintergrund sinnvoll ergänzen, wie zum Beispiel ein an der Hauswand lehnendes Fahrrad, oder eine Katze, die aus dem Gebüsch hervorschaut.
Option 2 Ästhetische oder thematische Einbettung in das Straßenbild: Auch hier geht es um eine passende Einbettung in die Umgebung des Schaukastens, aber weniger optisch als thematisch. Man kann beispielsweise mit Mustern arbeiten, die von der Umgebung abgeleitet sind. Ob die Elemente abstrakt oder naturalistisch sind, hängt ganz von der Umgebung und ihren ästhetischen beziehungsweise thematischen „Ankerpunkten“ ab. Wichtig ist hier, dass die Schaltkästen nicht als Werbeflächen genutzt werden.
Option 3 Die Geschichte eines Ortes aufgreifen: Schaltkästen können auch etwas abbilden, das auf die Geschichte ihrer Umgebung oder eines naheliegenden Gebäudes verweist. Durch Verweise auf eine digitale Fortsetzung der Gestaltung können Passanten dazu angeregt werden, etwas über die Stadt zu lernen.
… Gestaltungsprofis
Es gibt wohl kaum einen kreativen Kopf in Krefeld, den es beim Vorbeilaufen nicht in den Fingern gejuckt hat, einem Schaltkasten mit einem innovativen ästhetischen Konzept neues Leben einzuhauchen. Für den Stadtraum, insbesondere die „Vier Wälle“, gibt es einen gesonderten Wettbewerb für Künstler:innen, Designerbüros oder Grafiker:nnen. Unter den professionellen Gestaltungskonzepten werden einige Ideen besonders gefördert.
Die Teilnehmenden aus Krefeld und Umgebung sind aufgefordert, Ideen für die Gestaltung der vier Wälle zu entwickeln. Dieses Straßenviereck, mit beinahe allen zur Verfügung stehenden kastenartigen Gehäusen ist die Gestaltungsfläche für ein selbstbewusstes, interessantes und identitätsstiftendes Konzept, inspiriert durch die Umgebung und Geschichte der vier Wälle. Dabei müssen nicht alle Schaltkästen exakt gleich gestaltet werden. Vielmehr geht es darum, einen roten Faden zu entwickeln, der sich über die Wälle zieht und für Vorbeilaufende als zusammenhängendes Konzept erkennbar wird. Die einzelnen Wälle dürfen sich im Design unterscheiden.
Etwa 100 Schaltkästen stehen dafür zur Verfügung. Bewerben können sich sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen, die im Kunst- und Designsektor tätig sind und aus Krefeld oder der Region kommen. Gefragt sind drei bis vier konkrete Entwürfe, die beispielhaft das Konzept veranschaulichen, zudem eine Beschreibung der Idee. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 2. Mai 2022. Die Juryentscheidung erfolgt bis Mitte Mai 2022 und umgesetzt wird das Projekt im Herbst dieses Jahres. Vergeben werden Unterstützungspakete mit bis zu 3.000 Euro plus Pressearbeit, Webpräsenz und Social-Media-Posts.
Alle gestalteten Verteilerkästen werden, samt Fotos, Videos und Infos zu ihrer Gestaltung, auf einer digitalen Stadtkarte gesammelt, sodass am Ende eine „KastenArt-Galerie“ entsteht.
Alle Bewerbungen, sowohl für das Bürgerprojekt, als auch für den Kreativwettbewerb, können an verteilerkasten@krefeld.de geschickt werden. Infos gibt es unter www.krefeld.de/kastenart, Ansprechpartnerin bei Rückfragen ist Johanna Weber: johanna.weber@krefeld.de, 02151 86 1508.
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