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kultur

Krefeld hat Geschmack Kulinarische Stadtführungen

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Viele Wege führen bekanntlich nach Rom und nicht minder viele hindurch. Was für die Ewige Stadt gilt, darf die Seidenstadt gut und gerne auch für sich behaupten: Man kann sie auf eigene Faust durchstreifen – oder man lässt sich mitnehmen von jemandem, der Krefeld wie seine Westentasche kennt. Einen ganz besonderen Charme haben hierbei zweifelsohne die „Kulinarischen Stadtführungen“, die kredo-Redakteur Michael Otterbein seit 2017 in verschiedenen Stadtteilen und Quartieren gestaltet. Wir durften ihn an einem wunderschönen Frühlingsabend durch das Samtweberviertel begleiten.

Eines sei vorweg genommen: Die gastronomischen Entdeckungen der Stadtführung bleiben allesamt im Gedächtnis. Ebenso die Geschichten, die sich um die besuchten Orte ranken. Aber dass sie von der Vielzahl an außergewöhnlichen Menschen, die einem unterwegs begegnen, von den warmherzigen Gastgebern und unermüdlichen Ehrenamtlichen überstrahlt werden, hätten wir zu Beginn der Tour nicht erwartet. Mit 14 Teilnehmern, darunter Ur-Krefelder, die tatsächlich noch nie in der Südstadt waren, und Wahl-Krefeldern, die nach wenigen Monaten bis mehreren Jahrzehnten endlich die neue Heimat besser kennenlernen wollen, treffen wir uns um 17 Uhr im Hof der Alten Samtweberei an der Lewerentzstraße. Michael Otterbein beginnt mit einem Galoppritt durch die Historie des ehemaligen Fabrikgebäudes sowie seiner Wiederbelebung in ein urbanes Wohn- und Arbeitsumfeld. Was vermeintlich trocken klingt, ist dank der Eloquenz des Stadtführers ein erster Genuss für die Ohren und dank der architektonischen Vielfalt des Areals ein ebensolcher für die Augen. 

Kulinarische_Stadtführungen_Michael_Otterbein
Kulinarische_Stadtführungen_Michael_Otterbein_Essen
Kulinarische_Stadtführungen_Michael_Otterbein_Gruppe

Doch steht der Abend ja unter der Flagge des Geschmacksinns, weswegen wir zur ersten Station aufbrechen. Schon nach wenigen Metern machen wir einen Zwischenstopp am Alexanderplatz. Fast wirkt es, als hätte unser kredo-Kollege uns in all den Jahren der Zusammenarbeit verschwiegen, dass er bei jedem Umzug geholfen, in jedem Keller gestöbert und hinter jede Fassade des mit seinen Kirschbäumen vielleicht prächtigsten Platzes in ganz Krefeld geblickt hat – so viele Anekdötchen weiß er neben höchst interessanten Fakten zu abgeschlossenen und noch laufenden Sanierungs- und Bauprojekten preiszugeben. Die Neugierde auf Köstliches treibt uns weiter, und so betreten wir das Café Südlicht.

Treffpunkte nicht nur für die Nachbarschaft

Hier werden wir so freundlich empfangen, als wären wir Stammgäste und erst gestern zuletzt da gewesen. Die kredenzte Torte mundet allen so sehr, dass kein Krümel übrigbleibt, und sie sorgt dafür, dass die Stimmung unter den Teilnehmern merklich geselliger wird. Noch größere Begeisterung als die süße Versuchung erhält jedoch das Team, das hinter dem seit fast fünf Jahren bestehenden Café steckt. Denn es arbeitet ehrenamtlich und speist sich zu größten Teilen aus der Freien evangelischen Gemeinde Krefeld, die ihren Gemeindesaal in unmittelbarer Nähe hat und an welche das Café angegliedert ist. Die Gemeinde habe der Südstadt etwas geben wollen, das mehr ist als „nur“ ein Café, berichtet uns deren Öffentlichkeitsbeauftragter Rüdiger Reuber. Die Viertelsarbeit in einem so diversen Quartier, in dem sich Sprachen und Religionen so aneinanderreihen wie bauliche Kleinode an zerfallenden Leerstand, sei ihr ein Herzensanliegen. So wurde das Café Südlicht ein Treffpunkt, der allen offen steht und in dem sich auch Anwohner engagieren, die keine Gemeindemitglieder, sondern unter anderem Geflüchtete sind. Wir würden gerne länger bleiben, kommen aber bestimmt wieder, sobald uns der Sinn nach hausgemachtem Kuchen steht. 

Ein Viertel voller unermüdlichem Einsatz

Michael Otterbein hat als nächste Station den noch recht jungen Resonanzraum für uns ausgesucht. Denn ihm ist es wichtig, auch eine gewisse Abwechslung in seinen kulinarischen Führungen zu haben. Einige Anlaufpunkte blieben zwar über lange Zeit gleich, andere müssten aufgrund der Fluktuation, die der Gastronomie und anverwandten Feldern nun einmal innewohnt, gelegentlich ausgetauscht werden, berichtet er. In solchen Fällen spreche er Neuankömmlinge wie die Initiatoren des Resonanzraums einfach an. Und weil sich in diesem nicht nur überaus herzliche Mitmenschen, die sich der Förderung von Kommunikation und Miteinander in der Nachbarschaft verschrieben haben, verbergen, sondern auch regelrechte Brotkünstler, sorgt der herzhafte Ausgleich zur vorangegangenen Kostprobe schließlich dafür, dass die Gruppe beinahe vergisst, dass sie an einer Stadtführung teilnimmt. Small Talk ist längst angeregten Unterhaltungen gewichen, die Minuten streichen nur so dahin, und eigentlich möchte man schon wieder bleiben, würden nicht noch das alte Krefelder Stadtbad und das urige Möbelgeschäft Vintage 4150 auf uns warten. 

Den Zeitplan, sich um 20 Uhr wieder zu trennen, werfe wir getrost über Bord und lassen den Abend in einem pulsierenden Viertel ausklingen. 


www.krefeld.de/de/stadtmarketing/die-kulinarische-route