fbpx
koeppekunst

Die Kunst der Reduktion Comic-Popart-Künstler Frät

Alfred Smeets ist Frät. Für den Comic-Popart-Künstler ist Reduktion ein großes Thema: nicht nur in seiner Kunst am Digitalisierbrett, sondern auch im Privaten.

In seinem 47 Quadratmeter kleinen Schaffensreich in der Nähe des Uerdinger Rheinufers sitzt Alfred Smeets über einer Art Leuchttisch und zeichnet darauf mit einem Digital-Pen zarte Linien, aus denen einen Szene in einem Pflegeheim entsteht. Zu seinen Füßen liegt Sunny, eine Mischlingshündin aus Rumänien, der Frät und seine Lebensgefährtin vor ein paar Jahren ein liebevolles, neues Zuhause gegeben haben. Die kreative Ruhe wird nur durch das Geräusch der Kaffeemaschine in der kleinen Küche unterbrochen.

Alfred Smeets ist Frät. Für den Comic-Popart-Künstler ist Reduktion ein großes Thema: nicht nur in seiner Kunst am Digitalisierbrett, sondern auch im Privaten.

Bei einem schwarzen Kaffee erfahre ich, dass der Künstlername Frät eine Wortmalerei aus dem alten Namen Alfred ist, der erst zur Kurzform „Fred“, dann zum Rufnamen „Freeeet“ und schließlich zum kurzen und knackigen „Frät“ wurde. In verschiedenen Ecken der Wohnung hängen, offenbar bewusst diskret platziert, ein paar Bilder aus der Hand von Frät. Viel auffallender sind dagegen die gerahmten Motive französischer und belgischer Künstler auf der einzigen langen Wand. Man spürt den Einfluss von Hergé. Der Belgier hatte ab 1929 die Abenteuercomics von „Tim und Struppi“ gezeichnet und mit seinem klaren Strich die Stilrichtung „Ligne Claire“ geschaffen. Die hat irgendwann auch Frät begeistert.

Schon als Kind hat der heute 62-Jährige mit Hilfe von Butterbrotpapier Bilder durchgepaust. „Das klingt wie ein Klischee, aber ich wollte schon immer Zeichner werden“, schmunzelt Frät, der zuerst eine Ausbildung zum Schildermaler machte, dann eine Werbeagentur gründete und sich kurz darauf autodidaktisch zum Grafiker entwickelte. „Ab Mitte der 1990er Jahre habe ich mich immer mehr dem Künstlerischen hingegeben. Begonnen habe ich klassisch mit der analogen Malerei, bis ich mich der Illustration zugewandt habe – anfangs auch analog und seit rund acht Jahren nur noch digital“, sagt der sympathische Künstler, der an seinem Digitalisierbrett die Welt um sich herum zu vergessen scheint und dessen künstlerische Arbeit untrennbar mit seinem Leben verbunden ist. Deshalb lebt und arbeitet Frät auch an einem Ort. Sein Zuhause ist sein Atelier, sein Atelier ist sein Zuhause. Reiner Strich und reine Farben sind sein Markenzeichen.

Dadurch ist Frät auch auf die Risographie-Technik aufmerksam geworden, die er so erklärt: „Sie ähnelt ein bisschen dem Siebdruck, aber der Aufwand für die einzelnen Arbeitsgänge und das Material ist nicht so hoch. Zudem sind durch dieses Verfahren kleinere Druckserien möglich, und trotzdem unterscheidet sich jedes Blatt ein wenig vom anderen. Jeder Druck ist somit ein Unikat. Außerdem bringt mich diese Drucktechnik dazu, meinen Strich zu reduzieren und die Farben simpler anzulegen. Das ist eine spannende Herausforderung.“

„Ich suche nicht das Ausschweifende, sondern das Wesentliche“

Reduktion ist für Frät nicht nur bei seiner Arbeit ein großes Thema, sondern auch im Privaten. Er sagt: „Ich suche nicht das Ausschweifende, sondern versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren – sei es beim Konsum, beim Wohnen oder beim Thema Mobilität.“ Frät ist auch ein Künstler, der nicht ständig die Öffentlichkeit sucht. Und Netzwerken? In Maßen, aber am liebsten über die sozialen Medien und in der Galerie Uerdingen, die er gemeinsam mit der Malerin Christa Riemann und ihrem Mann, den Fotografen Andreas Zühlke, betreibt. Frät braucht kein Brimborium um seine Kunst und seine Person. Vielmehr schätzt er den Austausch mit seiner Lebensgefährtin und einer Handvoll langjähriger Freunde.

Alfred Smeets ist Frät. Für den Comic-Popart-Künstler ist Reduktion ein großes Thema: nicht nur in seiner Kunst am Digitalisierbrett, sondern auch im Privaten.

Dennoch gibt es etwas, das den Künstlermenschen angesichts der zurzeit angespannten politischen Zustände umtreibt: „Da kann ich manchmal nicht anders, als mit meiner Kunst ein politisches Statement abzugeben. Rechtsradikalismus, Rassismus, Umwelt, LGBT oder soziale Missstände beschäftigen mich.“ So entstand beispielsweise das Bild des Müllsammlers auf der Suche nach etwas Essbarem. Eine interessante Arbeit im vergangenen Jahr waren die Portraits der neun bei dem rassistischen Anschlag in Hanau ermordeten Menschen. Die NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer hatte diese Reihe zum ersten Jahrestag bei Frät in Auftrag gegeben.

Das nächste Projekt wird wieder mal ein Gemeinschaftsding mit Fotografenfreund Michael Fischer: „Wir werden verschiedene Krefelder Hochhäuser fotografisch und zeichnerisch in Szene setzen, wie das Philadelphia-Hochhaus, das Polizeipräsidium oder das Dreikönigenhaus mit seinem hohen, runden Turm.“ Neben markanten Krefelder Bauwerken, von denen Frät bereits viele gezeichnet hat, reicht die Palette seiner Motive von Alltagsartikeln wie einer Streichholzschachtel, einem Kaugummiautomat oder den guten alten Rollschuhen über Oldtimer und Leuchttürme, ein Wimmelbild für das Autohaus Borgmann bis zu Filmautos mit ihren dazugehörenden Schauspielern. Und immer ist der stille Künstler beim Zeichnen eins mit seinen Ideen und seinem Leuchttisch…

So, wie Frät in seiner Arbeit versinken kann, so kann er auch in seine Leidenschaft fürs Programmkino eintauchen: „In meiner Jugend bin ich oft sonntagvormittags ins Kino gegangen, weil ich das von meinem Taschengeld bezahlen konnte. Es waren meist simple Filme, die heute niemand mehr kennt. Aber die Atmosphäre, im dunklen Saal auf der Riesenleinwand einem Abenteuer zu folgen, hatte etwas sehr Beeindruckendes. Daraus ist auch meine Vorliebe für interessante, reale Kinogeschichten entstanden. Klar, ich mag auch Indiana Jones, Star Wars und James Bond, aber am Ende sind mir Menschen wie du und ich auf der Leinwand die liebsten.“ Frät ist einer von ihnen. Ein Künstlermensch, der nicht viel braucht, um glücklich zu sein.


Galerie Uerdingen
Oberstraße 22, 47829 Krefeld
geöffnet samstags von 10 bis 14 Uhr (und nach Vereinbarung)
www.fraet.de